Berliner Bürgerplattformen

2002 gründete sich die erste Bürgerplattform in Berlin-Schöneweide. Sie entstand in einer Zeit mit massiven Folgen des lokalen Strukturwandels durch die Maueröffnung. Vor der Wende waren im Stadtteil noch tausende Industriearbeitsplätze vorhanden. Danach war der Stadtteil vor allem von Industriebrachen und Leerständen geprägt. Dieser Entwicklungen stellten sich Kirchengemeinden, Vereine und Nachbarschaften mit der Bürgerplattform SO! Mit uns – Bürgerplattform Südost entgegen. Sie bewirkten 2004 nach zähen Verhandlungen die Ansiedlung der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW, jetzt HTW Berlin) am Standort. Dies war der Beginn der Wiederbelebung der Nachbarschaften. Des Weiteren wurde über das städtische Regionalmanagement verhandelt. Eine gerechtere Verteilung von Ärzten im Stadtteil sowie die Errichtung einer neuen Straßenbahn-Wendeschleife und ein Uferweg folgten. 2012 erweiterte sich die Bürgerplattform auf den Stadtbezirk Treptow-Köpenick.

2008 bildete sich in den Berliner Stadtteilen Wedding und Moabit die Bürgerplattform Wir sind da! Eines der ersten Themen war die schwierige Situation im Jobcenter Mitte. Die Klient*innen wurden bei der Jobvermittlung und sozialrechtlichen Fragen oft falsch oder schlecht beraten und Akten gingen verloren. Gemeinsam gelang es den Mitgliedsgruppen, genug Druck aufzubauen, sodass über 100 geplante Stellen im Jobcenter endlich besetzt wurden. Die telefonische Erreichbarkeit verbesserte sich. Der Umgang in Personalgesprächen und Schulungen wurde insgesamt menschlicher. Auch auf dem Leopoldplatz konnte Druck aufgebaut werden, um bestehende Nutzungskonflikte zu lösen. Die Aufenthaltsqualität verbesserte sich durch die Neugestaltung mit Brunnen, Bänken und einem Imbiss.

Als dritte Berliner Bürgerplattform entstand 2010 WIN – Wir in Neukölln. Die Gruppen engagierten sich zusammen mit Wir sind da! in der Ärzteverteilung. Ein Projekt gegen Jugendarbeitslosigkeit wurde angestoßen und der Wunsch nach einem muslimischen Friedhof verhandelt. Seit 2020 arbeiten die Berliner Bürgerplattformen bei allen Themen zusammen. Sie nutzen ein gemeinsames Dach für ihre Aktivitäten.

Alle vier Berliner Bürgerplattformen agieren bei Landesweiten Themen, wie Bildung und bezahlbarer Wohnraum gemeinsam. Derzeit haben die Berliner Bürgerplattformen über 60 Mitgliedsgruppen verteilt durch die ganze Stadt. Dazu gehören Kirchgemeinden, Moscheen, Kitas, Schulen, Kleingartenanlagen und verschiedene Vereine.

Quelle: DICO
Foto von DICOQuelle: DICO
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