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Was ist eine Bürgerplattform?

Bürgerplattformen vereinen Gruppen der Zivilgesellschaft, die gemeinsam für Verbesserungen in ihrer Nachbarschaft eintreten.

Damit eine Bürgerplattform entstehen kann, bauen Menschen mit sehr verschiedenen kulturellen Wurzeln, Religionen, Berufen, Interessen und Überzeugungen in einem ersten Schritt zueinander Beziehungen auf. Die Erkenntnis, dass man in einem starken Zusammenschluss viel mehr bewegen kann, als alleine, steht dabei im Mittelpunkt.

Erst wenn genug Macht aufgebaut wurde, um auch strukturelle Themen zu bewegen, werden diese miteinander diskutiert und gemeinsame Kampagnen entwickelt. Gemeinsame Themen werden so berarbeitet und effektiv gelöst. Einige Menschen erleben sich dabei erstmals als öffentlich-demokratisch wirksam handelnde Bürger*innen.

Die Gruppen der Bürgerplattform treffen sich regelmäßig in einem Kernkreis und sprechen über aktuelle Entwicklungen. Gemeinsam definieren sie Ziele und legen sie die nächsten Schritte fest. Die Gruppen bestimmen zusammen über die Kampagnen, bestimmen Aktionsteams und delegieren Verantwortung. Sie verhandeln über das zur Verfügung stehende Geld und übernehmen als Bürger*innen Verantwortung für sich, andere und das gemeinsame Lebensumfeld.

Empowerment der Zivilgesellschaft durch Bürgerplattformen

Die Mitglieder lernen durch Community Organizing neue Wege der Selbstorganisation. Das übergeordnete Ziel ist die Selbstbefähigung (Empowerment) zur aktiven politischen Mitgestaltung in der Nachbarschaft. Damit eine Bürgerplattform wirkungsvoll arbeiten kann, braucht es professionelle Community Organizer*innen. Diese verfolgen keine eigenen Themen, sondern unterstützen die Zusammenarbeit der verschiedenen Gruppen. Ihre Aufgaben bestehen langfristig darin, die bestehenden Vereine und Initiativen eines Stadtteils miteinander in Kontakt zu bringen. Die Bürgerplattform koodinieren mit der Hilfe der Organizer*innen ihre Kampagnen.

Das Deutsche Institut für Community Organizing (DICO) begleitet und unterstützt Bürgerplattformen in Berlin, Köln und Duisburg.

Grundlagen der Bürgerplattformen

Eine Bürgerplattform ist also ein verbindlicher Zusammenschluss von Gruppen mit dem Ziel, mit Entscheidungsträgern auf Augenhöhe zu verhandeln. Sie ist parteipolitisch, ideologisch und finanziell unabhängig, überkonfessionell und generationsübergreifend. Auf Basis demokratischer Entscheidungen verständigen ihre Mitglieder sich auf verschiedene Themenschwerpunkte, an denen sie kontinuierlich arbeiten. Damit sind Bürgerplattformen der Ausgangspunkt von Verbesserungen in der Nachbarschaft.

Basisdemokratie in der Selbstorganisation

Verfolgt wird beim gemeinsamen Vorgehen immer ein basisdemokratischer Ansatz. Die Ergebnisse der Arbeit müssen sich immer wieder an den Bedarfen der Nachbarschaften messen lassen. Meist entstehen Bürgerplattformen in städtischen Gebieten, die von einem industriellen Wandel geprägt sind. Auch dort, wo andere Möglichkeiten der Teilhabe nur unzureichend entwickelt sind, kann ihre Entwicklung ein Fortschritt für die Zivilgesellschaft sein.

Community Organizing bedeutet ständiges Reorganisieren von Strukturen

Eine Bürgerplattform ist geprägt durch ständigen Wandel. Gerade heutzutage kann nicht mehr davon ausgegangen werden, dass Menschen ihr ganzes Leben lang in einer Stadt oder in einer Community aktiv sind. Deshalb besteht eine Bürgerplattform immer aus unterschiedlichen Gruppen der Zivilgesellschaft. Diese spiegeln in der Summe die Vielfalt der Lebenslagen vor Ort wider. Es ist die Aufgabe der Schlüsselpersonen, zusammen mit den Community Organizer*innen, diesen Zusammenschluss nach Innen und Außen immer wieder neu zusammenzusetzen. So kann eine Kontinuität trotz Wandel gewährleistet werden. Durch eine kontinuierliche Beziehungsarbeit kann dann eine Bürgerplattform viele Jahrzehnte bestehen und teilweise mehrere Generationen von Schlüsselpersonen (und Community Organizer*innen) verbinden.

Aufbau einer Bürgerplattform und Kampagnenarbeit

Der Aufbau einer Bürgerplattform ist zeitaufwendig und geschieht in mehreren Phasen und beinhaltet nach dem Beziehungsaufbau (ca 18 Monate) einen Aufbaukreis (ab dem 12. Monat) die Gründung der neuen Bürgerplattform (ab dem 24. Monat).

Mit Gründung der Bürgerplattform beginnt die Kampagnenarbeit an konkreten Themen. Parallel dazu werden auch nach der Gründung ständig neue Beziehungsgespräche geführt und neue Beziehungen aufgebaut. Dadurch kann die Plattform konstant wachsen und immer mehr Menschen und Gruppen miteinbeziehen.

Literatur zum Thema gibt es hier!